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Georges, Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, 8. Aufl. (1913): tibia

tībia, ae, f., I) der vordere größere Knochen des Unterschenkels, das Schienbein, der Schienbeinknochen (griech. κνήµη, Ggstz. sura, w. vgl.), Cels. u.a. – II) meton.: a) eine geradeaus gehende Pfeife (weil sie anfangs beinern war), nach unserer Art Pfeife, Flöte, Hautbois (gew. im Plur., weil bei den Alten gew. zwei Flöten auf einmal geblasen wurden), gebräuchlich auf dem Theater, beim Gottesdienste, bes. bei dem der Cybele, bei Leichenfeiern, Hochzeiten usw., Plaut., Cic., Hor. u.a.: tibiae dextrae, sinistrae, Diskantflöten, Baßflöten, Varro: erstere auch incentivae, letztere succentivae, Varro: tibiae pares nannte man, wenn zwei Diskantflöten (pares dextrae) od. zwei Baßflöten ( pares sinistrae) geblasen wurden; tibiae impares, wenn die eine dextra, die andere sinistra war; dah. paribus dextris et sinistris, e. paribus dextris et paribus sinistris, abwechselnd mit Diskant- u. Baßflöten, Didascal. Ter.: die tibiae Sarranae, Phrygiae, Lydiae beziehen sich auf die drei ältesten Tonarten, von denen die tyrische die tiefste, die phrygische die mittlere, die lydische die höchste war, Plin. u. Serv. – cantus querulae tibiae, Hor.: tibiarum cantus, Cic.: modulate canentes tibiae, Liv.: tibiis canere, Cic.: ad tibias dicere (vortragen), Lampr. – sprichw., apertis, ut aiunt, tibiis, aus allen Löchern, mit lauter Stimme, Quint. 11, 3, 50. – b) = αυλίσκος, die kleine Röhre vorn an der Klistierspritze, Cael. Aur. de acut. morb. 3, 4, 29.